Dienstag, 15. April 2008

Viva Las Vegas*

Samstag.
Nachdem wir gestern nicht quer durch die Berge nach Oatman fahren wollten (weil angeblich recht unwegsam), holen wir den empfohlenen Halt in dieser kleinen Goldgräberstadt heute nach. Die Straße von Bullhead City aus ist für Trucks für 40 Fuß Länge verboten und bald ist uns klar, warum: in kurzen Abständen geht es hier auf und ab, auf und ab, fast wie auf einer kleinen Achterbahn.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

Die ersten Einwohner von Oatman begrüßen uns gleich auf dem Parkplatz: eine Truppe Burros, Esel, die sich ihre Portion Möhren abholen wollen. Es sieht sogar fast so aus, als posierten sie extra vor unseren Fotoapparaten!
Abgesehen von den Esel - oder gerade mit den Eseln - ist Oatman ziemlich touristisch-kitschig, aber irgendwie auch schnuckelig. Wir beobachten einen gunfight, in dieser perfekten Kulisse inszeniert von einer Truppe Hobby-Cowboys, erwerben ein paar Souvenirs und genießen ein Eis.

Wenn wir heute abend noch in Las Vegas ankommen wollen - und das wollen wir unbedingt, dann müssen wir uns sputen. Am späten Nachmittag halten wir am Hoover Dam, um mehrmals von Nevada nach Arizona und wieder zurück zu 'hoppen' *smile*. Viel Wasser führt er nicht, der Damm, aber beeindruckend ist er schon. Drum herum wird derzeit kräftig an einem Bypass gebaut.
Lake Mead sieht wunderschön blau aus und leuchtet förmlich vor der Kulisse aus roten und orangefarbenen Felsen.
Wir erreichen Las Vegas etwa zum Sonnenuntergang, die Stadt beginnt gerade zu glitzern. Unser heutiger Campground liegt direkt am Circus Circus Hotel und Casino - ein riesiger Betonplatz umgeben von Hotels, Parkhäusern und einer Baustelle. Wenig Camping-Romantik, aber hey, wir sind in 'Fabulous Las Vegas'!
Bei unserer Ankunft haben wir die Leuchtreklame am Sahara gesehen, wonach es doch ein Büffet für $6,99 pro Person geben soll. Also nichts wie hin! Leider gilt das Angebot nur, wenn man eine spezielle 'Value Card' besitzt. Wir könnten natürlich auf der Stelle eine solche Karte bekommen, immerhin bekommt man damit gleich noch Guthaben für die Spielautomaten. Aber dies alles hängt eng mit dem Besitz einer Kreditkarte zusammen, über 21 muss man auch sein - da sind 2 von uns direkt ausgeschlossen. Na ja, dann gibt's halt McDonald's zum Abendessen. Was soll's.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

Anschließend statten wir Las Vegas' größtem Souvenirshop einen Besuch ab. Ich würde mir eine Jacke kaufen, weil mir eh gerade etwas kühl ist, aber das Angebot ist nicht so doll, also trage ich von jetzt an Saschas nagelneuen CSI Las Vegas-Pulli, der mir zwar mindestens 3 Nummern zu groß ist, aber immerhin warm hält *smile*.
Mit dem Aufzug geht's hoch auf die Aussichtsplattformen des Stratosphere um die unzähligen Lichter dieser Stadt von oben zu betrachten. Der Ausblick ist großartig, ich liebe solche Anblicke! Hier kann man ganz klar erkennen, wie die Stadt in Blocks aufgeteilt ist. Dazwischen glitzern die Scheinwerfer der Autos und mittendrin - ein kunterbuntes Gewühl - der Strip.

Zurück im Erdgeschoss unternehmen wir einen ziemlich ärmlichen Versuch, auch mal zu 'gamblen' bevor wir in ein Taxi steigen und uns zum MGM, ans andere Ende des Strip fahren lassen. Die Casinos und Hotels rauschen an uns vorbei - nicht schlecht! Einen Teil des Strip laufen wir zurück in Richtung Campground, aber auf der Hälfte (nach etwa 3km) nehmen wir doch wieder ein Taxi. Wir sind zu müde und unsere Füße schmerzen.
Gute Nacht!

* Elvis Presley

It's a small world

Freitag.
Sascha fotografiert in noch eisiger Kälte den Sonnenaufgang und wir warten auf die Öffnung des KOA-Offices um den Code fürs Wifi zu bekommen.
Um 8 Uhr gehen wir vor und stellen fest, dass das Office weder geöffnet, noch dass es auf der Uhr darin 8 Uhr ist. Also doch. Wir hatten es ja gestern schon vermutet.
Als das Office eine Stunde später tatsächlich öffnet, klärt sich die Situation: Arizona stellt tatsächlich nicht auf Daylight savings time um. Es sei ganz einfach, erklärt die Inhaberin. Im Sommer hätten sie die gleiche Zeit wie Kalifornien und im Winter die gleiche wie in Colorado. Aha.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

In Seligman erkunden wir die Touri-Meile leider zeitgleich mit einer Horde Franzosen, die mit Reisebussen hierher gefahren wurden. Glücklicherweise entdecken sie jedoch nicht den kleinen bunten Laden von Lynne und Frank: Historic Seligman Sundries. Wie in den ursprünglichen Sundries gibt es hier ein bisschen von allem, außer der Apotheken-Ecke, erklärt Lynne. Natürlich erkennt sie unsere Herkunft und nennt uns dann ihren Nachnamen: Geyer. Ihre Familie kommt aus Tauber-Bischofsheim. 'It's a small world,' stellt sie fest.
Auch der Rest der kleinen Geschäfte ist gefüllt mit den typischen Souvenirs, ein bisschen kitschig aber irgendwie auch nett. Ein ice cream cone am Snow Cap muss dann sein, ein Sundae könne der Mann hinterm Tresen mir nicht verkaufen, da heute ja erst Freitag sei.

Weiter geht's auf der Route 66 in Richtung Kingman über Peach Springs, kurz davor befinden sich die Grand Canyon Caverns, die wir uns in einer 45-minütigen Tour zeigen lassen. Die in den Führungstext eingebauten Gags klingen ein wenig einstudiert, werden aber sympathisch herübergebracht und helfen uns, Kay und diese Tour in guter Erinnerung zu erhalten.

Zurück an der Oberfläche und auf der Route 66 gibt es wieder ein bisschen von unserem geliebten Nichts. Die Landschaft ist karg, aber schön. Erst kurz vor Kingman ist das Tal, die Mesa Vista, zunehmend bewohnt und anscheinend auch wohlhabend. Der Golfplatz hebt sich leuchtend grün von seiner Umgebung ab.

In Kingman brauchen wir erstmal eine Kaffeepause, als wir danach nach den Überresten der 66 suchen, sind wir fast ein wenig enttäuscht. Ist hier tatsächlich so wenig davon übrig geblieben oder haben wir was übersehen?
Schließlich befinden wir uns auf der Interstate in Richtung Needles, wo wir Kalifornien einen kurzen Besuch abstatten. Auch in Needles ist von der 66 nicht mehr allzu viel zu spüren: ein heruntergekommenes Motel, nicht mehr in Betrieb aber immerhin noch bewohnt - viel mehr können wir nicht entdecken und fahren deshalb weiter, am Colorado River entlang in Richtung Norden, nach Bullhead City. Unterwegs gibt es noch einen schönen Sonnenuntergang zu sehen und zu fotografieren.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

Bullhead City ist größer als erwartet, am Fluss lang gezogen. Am nördlichen Ende finden wir den Campground, der nicht nur 'El Rio Waterfront' heißt, sondern sich auch direkt an der Waterfront befindet. An den Fluss selbst gehen wir aber erst morgen früh, jetzt werden erstmal Grillfleisch, Marshmallows und die angenehmen abendlichen Temperaturen genossen.

Samstag, 12. April 2008

Am Grand Canyon

Donnerstag.
Nach einer weiteren frostigen Nacht kommen wir aus Flagstaff nur mit Verzögerung weg. Unter anderem müssen wir eine Kappe für den Abwasserschlauch auftreiben, denn an unserer ist ein Haken abgerissen, so dass es nun lustig vor sich hintropft.

Gegen 13 Uhr erreichen wir den Grand Canyon und fahren zum Lot E, der für RVs vorgesehen ist. Von dort aus sind wir schnell an der roten Buslinie, die am Rand des Canyons in westlicher Richtung einige Aussichtspunkte anfährt. Allerdings ist derzeit wegen Ausbesserungsarbeiten an der Straße gerade mal die Hälfte der Strecke in Betrieb.
Ungeduldig steigen wir gleich am ersten Punkt aus und reihen uns in die Touri-Schlange ein, die ein paar Stufen in den Canyon hinabsteigt. Vor uns turnt ein Eichhörnchen am Rand des Canyons herum und lässt sich fast schon geduldig von uns fotografieren, bald taucht ein zweites auf. Der Grand Canyon wird dabei fast zur Nebensache.
Aber nur fast, denn natürlich sind wir für diese Aussicht hergekommen, die zu beschreiben mir die Worte fehlen. Bei diesem Anblick wird klar, warum der Canyon eine solche Anziehung auf uns Menschen ausübt.

Mutig gehen auch wir so nah es das Bauchkribbeln erlaubt an den Rand und setzen uns auf die großen Steine. Saugen den Anblick auf. Versuchen, die Dimensionen zu begreifen. Kaum eine Chance. Die Natur ist mächtiger.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

So vertrödeln wir unsere Zeit und schaffen wirklich nur die kleine Runde, bevor wir uns ins Imax des National Geographic setzen und zumindest auf der Leinwand durch den Canyon fliegen. Auch eine Raftingtour und ein bisschen Geschichte erleben wir hier.

Anschließend brettern wir nach Williams, wo wir die Hauptstraße der Stadt einmal auf und ab fahren. Auch hier ist nur noch wenig der einstigen Geschäftigkeit zu spüren, aber niedlich ist die Stadt allemal.
Der RV-Park hat allerdings nur Wifi in der Laundry zu bieten, aber 'wenn uns der Besitzer nahe am Haupthaus einquartieren würde, müssten wir eine Verbindung bekommen'.
Zu unsicher und besonders heimelig mutet es hier auch nicht an, also weiter über Ash Fork (genauso heruntergekommen und auch ohne Internet auf dem Campground) nach Seligman. Unterwegs warten wir auf den Sonnenuntergang, der für 6.58 Uhr angekündigt ist. Um 10 vor 7 steht die Sonne allerdings noch so hoch, dass mir Zweifel kommen. Haben wir uns in der Zeitzone geirrt oder boykottiert dieser Staat die Sommerzeit? Wir meinen, etwas darüber gelesen zu haben. Eine Stunde später geht die Sonne dann tatsächlich und sehr schön unter.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

In Seligman gibt es einen KOA, auf dem wir uns per late registering einmieten. Den Coupon fürs Wifi bekommen wir allerdings erst am nächsten Morgen. Also gehen wir hinüber in das etwas schäbig wirkende Motel, das auch eine Pizza-Bude beherbergt. Wir sind die einzigen Gäste, also frage ich lieber erstmal, ob sie überhaupt noch Pizza für uns haben. Und die haben sie in der Tat! 2 große Spinat- und 1 große Hawaii-Pizza sättigen auch den letzten von uns. Mit viel Gekicher und Gegacker unterschreiben wir einen Erinnerungsdollar für die Inhaberin und (t)rollen uns zufrieden ins Bett.

Standing on a corner in Winslow, Arizona*

Mittwoch.
Wir lassen den Campground hinter uns und machen uns auf die Suche nach dem örtlichen ACE-Hardware-Store um hoffentlich endlich eine 6er MagLite für Sascha aufzutreiben. Auf dem Weg durch die Innenstadt will allerdings niemand so recht aus dem WoMo aussteigen um sich irgendetwas anzuschauen. Immernoch fällt Schneeregen. Die nächste Enttäuschung folgt auf dem Fuße: Auch hier gibt es keine 6er MagLite. Sascha sei der erste, der hier jemals danach gefragt hat.
Vielleicht gibt es wenigstens die Schuhe, die Sebastian im Walmart in Canyon, TX, entdeckt hat. Dort gab es sie allerdings nicht in seiner Größe und so hat er seitdem immer nach einem Walmart geschrien :)
Er hat Glück und auch der Rest der Familie findet das ein oder andere und so ist wenigstens dieses Shopping erfolgreich.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

Zurück auf der I-40 in Richtung Flagstaff. Wir haben ein paar Touri-Punkte auf dem Plan, aber die Schneeflocken werden immer dichter, so dass wir nach gerade mal einer halben Stunde Fahrzeit mit Schneeklumpen auf der Windschutzscheibe, starkem Wind und den ewig überholenden Trucks lieber aufgeben und an einer Tankstelle anhalten. Für den Fall einer Zwangsüberwinterung haben wir jetzt immerhin einen vollen Tank :)
An dieser für uns ersten Tankstelle, an der wir nicht direkt an der Zapfsäule mit der Kredikarte zahlen können, ist der Kassierer prompt elend langsam. Gestern hat er sein Modem gesäubert und seitdem Probleme mit dem Verbindungsaufbau. Woran das wohl liegt?
Dann suchen wir halt unser Bargeld zusammen, was soll's.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

Inzwischen gönnt uns der Schnee eine Pause und so fahren wir weiter bis wir gegen 1 den Petrified Forest National Park erreichen. Da das Wetter heute so launisch ist, vermuten wir nur einen kürzeren Aufenthalt; schließlich sind es nur 28 Meilen. Aber schon beim ersten Stop mit Blick auf den unteren Rand der Painted Desert springen wir aus dem WoMo um diesen Ausblick zu genießen und digital festzuhalten.
Obwohl es immer noch recht kühl ist, halten wir an fast jedem Aussichtspunkt an und verbringen so fast 3 Stunden im Park. Bei schönerem Wetter auf jeden Fall ein Muss!

Beim Blick auf die Uhr geben wir jetzt Gas, halten aber noch in Winslow ("Standing on a corner in Winslow, Arizona", The Eagles), am Meteor Crater (um 18.35 Uhr, somit ist der Krater für heute schon geschlossen), und an den Twin Arrows, die noch heruntergekommener aussehen als auf dem Foto im Reiseführer. "Faded glory" könnte man das nennen. Antje ist da pragmatischer: Jemand, der die Route 66 in 10 Jahren erkunden will, wird wohl noch weniger von all dem entdecken können. An der Tankstelle, zu der die Twin Arrows gehören, steht als letzter Benzinpreis $1,369 für eine Gallone - das ist nun wirklich schon eine Weile her! (Derzeit ca. $3,399)

Wir verlassen die Interstate in Winona (Don't forget Winona!) - auch hier gibt es nicht allzu viel zu sehen, aber die Straße führt uns ein Stück in die San Francisco Mountains und wir kommen aus Richtung Norden in Flagstaff an. Der erstbeste Campground bietet weder Wifi noch Duschen - das geht gar nicht! *g*
Der zweite ist wieder ein KOA und weil wir bei KOA wissen, was wir kriegen, bleiben wir hier. Vor dem Abendessen spazieren wir zum nahegelegenen BestBuy und kaufen eine externe Festplatte für all die vielen Fotos, die sicher verwahrt werden wollen. Eine MagLite gibt es aber auch hier nicht.
Bei einem Preis von 10 Dollar für 10 Portionen Mikrowellen-Dinner schmeckt das Abendessen wie erwartet - einigen von uns auch gar nicht. Was soll's.
Antje bittet allerdings darum, morgen doch vielleicht Essen zu gehen. Sie war bisher noch nicht bei KFC, also steht das noch auf unserer Liste der must-do's. *smile*

* The Eagles

Donnerstag, 10. April 2008

Eis und Schnee

Dienstag.
Die Albuquerque International Balloon Fiesta sehen wir zwar nicht (da sie jährlich im Oktober stattfindet), trotzdem lohnt sich der Besuch Albuquerques. Die Old Town zielt natürlich mit ihren zahllosen Souvenirgeschäften genau auf den Tourismus ab, dennoch vermitteln Adobe-Bauweise und Dekoration einen (aus unserer Sicht) schönen Eindruck lateinamerikanischer Lebensart. Hier muss nun endlich ein Eis sein!

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)
Anschließend wollen wir auf der Central Avenue nochmal ein Stück östlich entlang der historischen Route 66 fahren, kehren aber ängstlich vor einer sehr steilen Highway-Unterführung mit nur 13'11'' um. Unser WoMo ist mindestens 12 Fuß hoch, auch 14 Fuß Höhe haben wir schon genannt bekommen. Das Risiko, wie augenscheinlich einige vor uns, am Brückenträger entlang zu schaben und die Klimaanlage zu beschädigen, wollen wir dann lieber nicht eingehen, kehren deshalb um und fahren nach Westen in Richtung Gallup zu unserem heutigen Tagesziel.

Der Reiseführer empfiehlt, dort bei Sonnenuntergang anzukommen, also haben wir etwas Zeit und halten deshalb hier und dort mal an. Auch den Rio Grande überqueren wir ein paar Male, ganz so 'grande' ist er aber nicht...
Der Reiseführer erzählt vom 'Glatzenberg' Mount Taylor, auf dem ab etwa 3000 m Höhe keine Bäume mehr wachsen. Doch wo versteckt er sich nur?

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

In Budville halten wir an einem verlassenen Trading Post auf einen Kaffee, den wir uns aber selbst kochen müssen. Beim Blick nach vorn, den Hügel hinunter, entdecken wir den Mt. Taylor, dessen Spitze tatsächlich nackt wirkt.

In Villa de Cubero soll Hemmingway einst den 'Alten Mann und das Meer' verfasst haben. Ruhe zum Schreiben hatte er hier definitiv. Durch San Fidel hindurch, vorbei an verlassenen Tankstellen, Motels und Shops, die von besseren Zeiten berichten, nach McCarthys. Hier entdecken wir die am Berghang gelegene Kirche Santa Maria de Acoma beinahe mühelos und lassen uns vom schwarzen Lavagestein beeindrucken.

Grants, Prewitt und Thoreau sind weitere 'Nester' entlang der Strecke, die uns anschließend zur Continental Divide führt, zur als 'Dach der Nationen' bezeichneten Höhenlinie. Alles Wasser westlich dieser Linie fließt zum Pazifik, alles östlich davon zum Atlantik. Der dortige Indian Market hat allerdings bereits geschlossen und so entgehen uns "Gummi-Tomahawks und anderer Indian-Kitsch" wie unser Reiseführer sich ausdrückt.

Nun wollen wir dringend Gallup erreichen, da es langsam dämmert. Einen Supermarkt brauchen wir noch und den Campground wollen wir auch noch erreichen.
Letzerer stellt sich als Geheimtip heraus. Der Besitzer, John, ist klasse und gibt uns um 20.02 Uhr einen Stellplatz, der bis 20 Uhr reserviert war. Fast tun mir diejenigen leid, die nun das Nachsehen haben. Auf dem Stellplatz neben uns entdecken wir ein weiteres - das erste - Cruise-America-WoMo; deren Bewohner haben sich aber bereits verkrochen und werden sich auch am Morgen nicht zeigen.
Dafür aber fällt am Morgen Schnee, der zwar nicht liegen bleibt, uns aber verunsichert. Muss der Grand Canyon nun ausfallen?

Dienstag, 8. April 2008

Pre-1937 und ein etwas anderes Las Vegas

Wir wachen relativ früh auf und verlassen den Campground schneller als sonst. Die einen schreien nach Internet, die anderen nach Frühstück. So cruisen wir die Hauptstraße von Santa Rosa entlang und halten nach offenen WLANs Ausschau.

Leider scheint es in Empfangsnähe entweder WLANs aber kein Frühstück zu geben oder es ist genau anders herum. So einigen wir uns auf einen Danny's und verschieben das Internet auf unbestimmte Zeit. Beim Frühstück finden wir dann zwar noch einen recht schwachen Zugang, der jedoch zu nichts großem ausreicht.

Da wir nach dem Frühstück immer noch kein geeignetes WLAN finden fahren wir aus Santa Rosa raus und folgen der Route 66 (Pre-1937, weil es bis 1937 die Route 66 war) nach Las Vegas. Diese Kleinstadt in New Mexico hat allerdings so gar nichts mit dem bekannten Las Vegas in Nevada zu tun. Bei der Einfahrt auf den zentralen Platz schnappt die Zentralverriegelung plötzlich zu. Rainer entdeckt ein geparktes Auto mit eingeschlagener Seitenscheibe. Der Fahrer sitzt (noch?) drin und telefoniert hektisch. Schnell weiter.

Auf einem geeigneten Parkplatz suchen wir wieder nach einem WLAN und finden einen Zugang zum Netz der örtlichen Universität. Schnell wird die übliche Runde im Internet erledigt und wir fahren weiter Richtung Santa Fe.

Die Strecke führt uns wieder auf gut 2km Höhe. Um uns herum ist wieder das bekannte 'Nichts' und begleitet uns bis kurz vor Santa Fe.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

Unter dem wolkenlosen Himmel wehen kräftige Seitenwinde. Auf dem Weg nach Santa Fe hält Rainer das Lenkrad konstant ca. 1/8-Drehung nach Links.

Langsam entdecken wir am Wegesrand die typischen Lehmbauten dieser Gegend. Zur Zeit der Besiedelung gelang es nicht, richtige Ziegelsteine zu brennen. Daher erfand man eine neue Bauweise und verkleisterte Holzbalken mit einem Lehmgemisch. Noch heute achtet ein Team des Denkmalschutzes darauf, dass diese Bauweise bei allen Neubauten zumindest nachempfunden wird.

(weitere Fotos unter: galerie.photo-fisch.de)

Wir laufen einmal durch den Altstadtkern, der hier von diversen Kunstgalerien, Modegeschäften und Juwelieren beherrscht wird. Den Abschluss bildet ein Rundgang im Worldshop und Borders, wo ich endlich die neue CD von R.E.M. finde und natürlich sofort mitnehme.

Langsam sinkt die Sonne und wir brechen nach Bernalillo auf, wo uns der wohl schönste, in einer Stadt gelegene, Campground erwartet. Der Host führt uns in einem Golfcar zu unserem Stellplatz und bringt uns sogar auf Nachfrage einen großen Grill. Da wir unterwegs Grillgut gekauft haben steht unserem ersten BBQ nichts mehr im Wege!

Angrillen Anfang April bei untergehender Sonne und immer noch 17°C. Lecker!

Montag, 7. April 2008

Ein Campground ohne Internet.

Sonntag abend.
Heute stehen wir im Santa Rosa Lake State Park in New Mexiko und haben kein Internet. Unsere diversen Blog- und Forumspostings müssen also offline vorbereitet werden und aus Mangel an Beschäftigung gehen wir früh zu Bett.

Na ja, ganz so ist es natürlich nicht! Nach unserer Ankunft hier im Park und der Feststellung, dass wir zwar einen Grill und Holzkohle, aber kein Grillfleisch dabei haben (und auch nicht wirklich ausreichend Lebensmittel zum Frühstück), aber trotzdem nicht mehr zurück in die Stadt in einen Supermarkt wollen, genießen wir den Spätnachmittag am See mit (wieder) herrlichem Ausblick und spannend geformten Steinen. Später gibt es dann halt wieder Mac'n'cheese zum Abendbrot und eine Runde 'Route 66', das Familienspiel, auf dessen Spielbrett wir nun die ersten uns bekannten Orte entdecken.

Der Besuch auf der berühmten Cadillac-Ranch ist irgendwie schon wieder in die Ferne gerückt, wird aber beim Blick auf die Fotos wieder lebendig. Auch meine kleine Handbürste, die nun rostrot verfärbt ist, zeugt von Bastis künstlerischem Einsatz an den ohnehin schon bunten Karossen. Wie winzig und unscheinbar die zehn Caddies doch von der Straße aus wirkten; fast hätte ich sie übersehen!



Weiter gings danach endlich auf der Route 66 durch verlassene Ort, wie wir sie aus den Reiseberichten im Netz bereits kannten. Ja, hier ist Nichts. Unser Nichts.
Die Ausnahme: Adrian, TX, das den geo-mathematischen Mittelpunkt der Route 66 markiert. 1139 Meilen in beide Richtungen. Wir haben doch gerade erst angefangen! Im charmanten MidPoint-Café finden sich unzählige mehr oder weniger kitschige Route-66-Andenken und eine Einrichtung, die an die 60er erinnert. Sehr schön, vor allem, weil hier nicht nur Touris einkehren!
Kurze Zeit später überlässt Rainer großzügig Antje seinen Platz am Steuer, die sich tapfer schlägt und ziemlich bald Gefallen am WoMo-Fahren findet. Nur Stadtverkehr muss nicht sein, findet sie, aber der ist hier in den kleinen Städten an der Strecke eher zu vernachlässigen.

In Santa Rosa, an unserem heutigen Tagesziel angekommen, besuchen wir das Route 66 Car Museum mit noch mehr kitschigen Route-66-Souvenirs und einer Sammlung wunderschön aufgearbeiteter Autos aus der Hochzeit der Route 66. Am liebsten würden wir den ein oder anderen mit nach Hause nehmen. Besonders 'El Woody' hat es uns angetan. Aber eigentlich sind wir mit unserem WoMo (inzwischen) ganz zufrieden. Wie sonst könnte man hier so viel in so kurzer Zeit erleben?